Ruheraum in der Kita - In Moritz Kindergarten gibt es etwas Neues. Aufgeregt folgen die Kinder der Elefantengruppe ihrer Erzieherin Johanne in den Raum und sehen sich um. Auf dem Boden liegen dicke, weiche Matten. An der Wand lehnen zahlreiche
Kissen und dazwischen sitzen Kuscheltiere. In einem
Regal stehen bunte Bilderbücher. Dann dürfen sich alle Kinder einen Platz suchen. „Das ist unser Ruheraum“, erklärt Johanne und fährt fort: „Hier könnt ihr euch ausruhen, wenn es euch in der Gruppe mal zu laut wird. Hier könnt ihr euch auch ein Bilderbuch anschauen, oder euch etwas vorlesen lassen.“ Jakob greift nach einem der Kissen und wirft es zu Timo. „Oder eine Kissenschlacht machen“, sagt er lachend. „Nein, bei einer Kissenschlacht seid ihr ja nicht leise“, erklärt Johanne. Emilia fallen die Buntstifte im Regal auf: „Aber wir können hier malen, oder?“ „Genau“, bestätigt Johanne, „und ihr könnt dabei auch leise Musik oder ein Hörspiel hören. Darum steht hier ein CD-Spieler.“ Die Kinder sind begeistert. Auch Moritz will am liebsten sofort alles ausprobieren, aber die anderen Gruppen wollen sich den Ruheraum auch noch anschauen, bevor er von allen Kindern des Kindergartens genutzt werden darf.
Ein
Ruheraum dient nicht nur dazu, dass
Kinder zur Ruhe kommen können. Er bietet auch einen
Schutzraum für die Kinder, dem oft hektischen Kindergartenalltag zu entfliehen, getröstet zu werden, wenn man traurig ist oder sich still mit anderen Kindern zu beschäftigen. Nicht nur im Kindergarten, sondern auch in der Grundschule bietet es sich an, einen Ruheraum einzurichten.
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Die Einrichtung eines Ruheraums
Schon mit einfachen Mitteln lässt sich ein Ruheraum realisieren. Benötigt wird vor allem ein
Raum, der hierfür zur Verfügung steht. Alternativ kann auch eine
Raumecke mit Hilfe von
Stellwänden oder Regalen abgetrennt werden. Stehen nur wenig finanzielle Mittel zur Verfügung, lässt sich ein Ruheraum auch mit wenig Material einrichten. Am wichtigsten ist, dass er
gemütlich eingerichtet wird und eine
ruhige Atmosphäre ausstrahlt. Außerdem sollte er so eingerichtet sein, dass die Kinder sich hier ausruhen können. Am einfachsten ist es, wenn der Boden mit
Matten oder dicken Teppichen ausgelegt wird, sodass sich die Kinder darauf legen können. Vielleicht kann auch ein Sofa für den Raum angeschafft werden. Auch
Sitzsäcke eignen sich gut, auf die sich die Kinder legen oder setzen können. Vielleicht können Vorhänge oder Gardinen vor den Fenstern den Raum etwas abdunkeln.
Nutzungsmöglichkeiten eines Ruheraums
Wie der Raum letztlich genutzt wird, ist einerseits davon abhängig, wie groß der Raum ist und andererseits davon, wer ihn nutzt.
Ist es nur ein
kleiner Raum oder eine Ecke, sollte er nur von
wenigen Kindern gleichzeitig genutzt werden, da es sonst zu unruhig wird. In einem
größeren Raum ist es vielleicht sogar möglich, dass
alle Kinder der Gruppe gleichzeitig darin sind, zum Beispiel zum Vorlesen einer Geschichte oder zum gemeinsamen Entspannen oder Ausruhen.
Noch wichtiger als die Raumgröße sind aber die
Bedürfnisse der Kinder, die den Raum nutzen sollen. Kuscheltiere sind gerade für Kindergartenkinder gute Tröster, die schon die ersten Tränen trocknen, bevor die Kinder bereit sind, darüber zu reden, was sie bedrückt. So kann er als kurzfristiger
Gesprächsraum genutzt werden, beispielsweise um ein Kind zu trösten, oder einen Streit aufzuklären und das Kind aus der Situation zu nehmen. Sowohl freies Malen als auch das Ausmalen von Mandalas oder Ausmalbildern kann entspannend wirken. Wird der Raum mit einer Toni-Box oder einem leicht bedienbaren CD-Player ausgestattet, können die Kinder sich hier selbst leise ein Hörspiel oder Musik anmachen. Auch zum Vorlesen oder Bücher anschauen kann der Raum genutzt werden. Grundsätzlich sind alle
stillen und entspannenden Aktivitäten hier möglich.
Regeln für den Ruheraum
Gerade für die Nutzung eines Ruheraums sollten vorab mit den Kindern
verbindliche Regeln besprochen werden, damit sich alle dort wohlfühlen. Vor allem sollte es im Ruheraum
leise zugehen. Dort darf
nicht getobt oder mit Kissen geworfen werden. Sinnvoll ist auch festzulegen, wie viele Kinder gleichzeitig im Raum sein dürfen, damit es nicht zu laut wird. Wichtig ist auch, dass die Kinder gegenseitig ihre Wünsche respektieren. Außerdem sollte abgesprochen werden, wer wann in den Ruheraum darf und wer gerade ein besonderes Bedürfnis nach Ruhe und einer Rückzugsmöglichkeit hat.
Die Betreuungspersonen sollten sich vorher absprechen, welche Kinder bereits alleine in den Ruheraum dürfen oder ob immer eine Person mit dort rein muss. Vielleicht reicht es auch, wenn die Tür geöffnet bleibt, um die Betreuung zu gewährleisten? So kann trotzdem schnell eingegriffen werden, wenn es einmal zu laut und wild wird, aber die Kinder in anderen Räumen werden weiterhin beaufsichtigt.
Gerne beraten wir Sie bei der Einrichtung Ihres Ruheraums. Nehem Sie dafür gerne
Kontakt zu uns auf.
Oriana R. / 26.09.2022
Zur Autorin: Mein Name ist Oriana und ich habe kürzlich mein Studium in Geschichte und Pädagogik beendet. Ich bin seit fast 10 Jahren als ehrenamtliche Lesepatin tätig und habe schon über 40 Grundschulkinder beim Lesenlernen begleitet. Nebenbei durfte ich zahlreiche Projekte organisieren und durchführen, unter anderem ein Wochenende im Wald, mehrere Theaterstücke und ein Geschichtsprojekt. Seit kurzem arbeite ich hauptamtlich mit Grundschulkindern in einer Gruppe für soziales Lernen und Hausaufgabenbetreuung. Besonders wichtig sind mir in meiner Arbeit die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und die Umsetzung der Kinderrechte im Gruppenalltag.